Weihnachtsgrüße! Saludos navideños.

In unserem Partnerprojekt Los Patojos beginnen die letzten zwei Arbeitswochen, voll von Projekten und Ideen. Wir wünschen dem Team und den Kindern dort und unseren Freunden und Unterstützern hier einen schönen dritten Advent und eine stressfreie Weihnachtszeit!

Los Patojos. “Jocotes en miel” in bewegten Bildern.

Ende Oktober fand in Jocotenango das sozikulturelle Festival “Jocotes en miel” zum 4.Mal statt. Eine ganze Woche kamen Kinder aus verschiedenen Projekten und Institutionen zu Los Patojos und nahmen an kreativen Workshops teil. Die Idee: Wer lernt sich auszudrücken, lernt zu sagen, was er denkt. Und es gibt verschiedenste Varianten des künstlerischen Ausdrucks. Am Ende der Woche wurden alle Ergebnisse präsentiert: Theater, Fotografie, Malerei, Breakdance…

Kinder aus verschiedenen Schulen und Institutionen

Was so passiert in einer kreativen Woche in Los Patojos kann man hier sehen. Und sich überlegen, ob man nächstes Jahr nicht auch Ende Oktober nach Jocotenango fährt…

Wir danken allen, die uns bei unserer Helpedia-Aktion anlässlich des Festivals unterstützt haben. So konnten wir helfen Materialien für die künstlerischen Workshops zu beschaffen. GRACIAS!

 

Guter Stoff. Noch zu haben!

Der Infocomic!

Endlich im Druck und ab nächster Woche kostenfrei, nur gegen Porto, bei uns bestellbar! Wir freuen uns und sind stolz euch unseren Infocomic über Guatemala vorzustellen. Ein Heft für GrundschülerInnen und große Neugierige, mit Geschichten, Rezepten, Spielen, Bastelanleitungen…zum spielerischen Lernen und Guatemala entdecken. Auch für Schulklassen und andere Kinder-/Jugend-/Menschengruppen.

Wird danken Kilian Wilde, der die wundervollen Zeichnungen gemacht hat, Ruth Veronica Romero Fuentes de Reyes, Rafael Romero und Diego Ixcamey, die ihren Alltag mit uns geteilt haben und den Menschen hinter dem Eu-Programm Jugend in Aktion, denn durch sie können wir das Heft drucken.

Hier ein kleiner Vorgeschmack:

 


  

 

Volamos juntos in Guatemala und was sonst noch passiert ist. Newsletter September 2011.

Zurück in Deutschland geht es weiter! Was bei Volamos juntos vor dem Aufenthalt bei den Patojos passiert ist und weitere Eindrücke aus Guatemala kann man in unserem Newsletter_0911 nachlesen.

Wir danken allen, die an die Idee von Los Patojos und Volamos juntos glauben. Und daran, dass wir beginnen können zu verändern. Volamos!!

Und wir suchen Menschen die Lust haben in Berlin, Jena oder Erfurt mitzumischen. Wer Lust oder eine Projektidee hat, oder einfach mal vorbeischauen möchte, der schreibe an: volamosjuntos@gmail.com

Es wird spannend.

Jocotenango und das erste Projekt

3. Erfahrungsbericht von David
Montag, der 12. September

Diamanten im Beton

Ich befinde mich nun auf der Straße inmitten von Jocotenango. Gänge, Gassen, die plaza central mit Busplatz, Verkehrstreiben und einigen Marktständen. Fröhlicher Tanz der Farben, Getute und Getröde, Menschen wuselnd wie auf einem Ameisenhaufen, gekleidet in bunten Farben oder braun und schmutzig in Lumpen. Gesichter strahlend, lachend und aufmerksam grüßend, aber auch hie und da ein verbissener Blick, ein schlafender Betrunkener, der wohl im Rausch direkt auf dem Bordstein darnieder gesunken sein muß. Es fliegt Papier herum, Wahlplakate flattern im Wind, Hunde trollen sich am Straßenrand oder liegen öde in Häuserecken – bis ein Polizist sie aufscheucht. Rundherum reihen sich die Berge auf, prall und satt von vielfältigsten Pflanzenarten und oft hüllt ein weißer Nebel sie ein und poliert ihre Spitzen. Wie eine Schnur grüner Diamanten erscheinen sie, herumgelegt um eine Stadt aus Beton, Stein und rotem Wellblech.
Jocotenango von oben
Dann stehen wir vor dem ersten Haus von Los Patojos. Ein Guckfenster wird geöffnet und die Tür geht auf. ¡Hola! ¡Bienvenido! Herein in die gute Stube, hinein ins Vergnügen und eine Welt voller Energie und Menschlichkeit. Staunend stehe ich an der Türschwelle und werfe meinen Blick einfach mitten hinein ins Gewusel. Action! Kinder überall im Raum, am Boden, hinter Ecken, auf und unter Tischen und sogar auf Stühlen sitzend.Gewusel im Kinderprojekt Es scheint ein undiffenzierbares Wiegen und Wogen von Stimmen und Geräuschen zu sein, wie ein kleiner Wirbelsturm tanzt es zwischen den bunt-bemalten Wänden hin und her. Ich werde hineingezogen und bald schon sitze ich in einer Ecke auf dem glatten Boden mit fünf jugadores beim Monopoly, welches auf Englisch ist. Action! Die Straßen werden zwar gekauft, aber dann verschenkt, auf dem Wasserwerk soll ein Hotel entstehen und die Strafkasse wird irgendwann geraubt. Doch davon bemerke ich nichts da ich dabei bin für das Einhalten der Regeln zu sorgen und die Ereigniskarten zu übersetzen und ehe ich moralisch einlenken kann, ist die Spielzeit voröber. Die Zelte werden abgebrochen, es gibt ein kleines refresco und dann geht’s los mit Lektüre. SchuelerWährend alle still lesen, erfahre ich von Maurício, dem Lehrer unseres salóns, mehr über den Ablauf:
Um die Mittagszeit wird für alle Essen gereicht, dann können die Kinder spielen bis die Kurse beginnen. Diese sind locker gestaltet und auf Aktionen ausgerichtet, man darf aufstehen, sich bewegen und reinfragen, dies wechselt sich ab mit erneuter Entspannung und weiteren Sitzungen. Um fünf werden die Kinder abgeholt oder gehen nach Hause. Maurício erklärt, dass der Mensch im Mittelpunkt steht und damit das eigene und eigenständige Denken. Die Kinder lernen hier Dinge, die in der Schule nicht gelehrt, nicht angesprochen werden. Denn in der Schule ist oft Automatendasein angesagt -kopieren und lernen.
Als ich später den Weg zu unserem Haus einschlage, komme ich zurück in Welt der großen Leute. Es gibt viel zu sehen, viel zu bestaunen, zu fragen und mächtig viel um sich ordentlich zu wundern, doch ist dieses von anderer Art und Weise. Dass es bei den Kindern anders ist, dass hatte ich mir schon überlegt, doch solcher Fülle an Energie, solcher Vielfalt hinter der Eisentür mit dem Guckfenster, solcher reiner Wärme, ja solcher Andersweltigkeit, all diesem war meine Vorstellung und mein Denken nicht gewachsen. Es war ein neues Land, welches ich betreten hatte, eine Insel, die von 12 bis fünf geöffnet hat und das Innere harrte noch seiner Entdeckung.

Volamos juntos en Guatemala

2. Erfahrungsbericht von Micha und Tobi.

Sonntag 4.9.11 bis Freitag 9.9.11

Busfahren, “Chichi” und 5 Jahre Los Patojos.

Wie reist man eigentlich in Guatemala? Neben den eher konventionellen Möglichkeiten wie Shuttlebus oder Inlandflug gibt es eine Reisevariante der besonderen Art; in den “Camionetas de Guatemala”. Einsteigen, Ohropax bereithalten und gut festhalten. Die aus den USA stammenden Ex-Schulbusse wurden äußerlich neu aufgefrischt und werden nun von den “Henkern der Straße” Guatemalas gesteuert. Reggaeton knallt aus den Boxen, ein Mitfahrer_innenlimit scheint schlichtweg nicht zu existieren und die gebirgigen Straßenlandschaften, gemixt mit dem rabiaten Fahrstil, lassen schnell den Wunsch aufflammen, sich anschnallen zu wollen. Hier ein paar Tipps für komfortgeprägte Mitteleuropäer_innen: Haben Sie keine Angst vor Berührungen. Tragen sie Knieschützer ab einer Größe von 1,80 m. Bringen Sie eine Portion Humor mit, genau wie die Fähigkeit von ihren guatemaltekischen Mitfahrer_innen zu lernen. Denn während Sie eventuell schweißgebadet im Gang einer Camioneta stehen, werden gefühlte 70 % der einheimischen Fahrgäste in aller Seelenruhe schlafen und vor sich hinträumen, Kinder inbegriffen. Respekt! Eine solche wirklich empfehlenswerte und spaßige Fahrt traten wir auf unseren Ausflug nach “Chichicastenango” an:

Markttreiben. Dazwischen eine Beerdigung. Die Kirche. Einst stand hier ein Mayatempel. Kinderarbeit!

Lecker Mittag gegessen. Weniger Küchenordnungssauberkeitsniveau, aber mehr Menschlichkeit! Der Koch bot uns an, auf das Dach seines Hauses zu gehen. Die Dächer Chichicastenangos. Hinten links der Friedhof mit den farbenfrohen Gräbern. Vorne rechts ein kleiner Garten im Betonggefängis. Man spürt die Enge. Aber keine Befangenheit. Es ist eher Bewunderung, die sich bemerkbar macht. Und dann Regen. Ein reißender Fluss fließt die Gassen entlang. Eine ältere Frau sitzt im Rollstuhl. Hoch genug, um nicht nass zu werden. Der Wolkenbruch endet. Das Markttreiben geht weiter. Und siehe da: Ein deutsches Ehepaar. Normalität. Tourismus.

Rückfahrt nach Jocotenango. Ruhe kehrt ein. Bilder und Eindrücke schweben noch unfassbar in unserenKöpfen umher. Es ist wieder die Lebendigkeit, die uns Guatemala voraus hat. Entspannung und Zufriedenheit in der Ferne. Selbst hier, weit entfernt von Deutschland, kann man Heimat fühlen. Doch was ist Heimat? Wenn Heimat für emotionale und körperliche Geborgenheit steht, dann ist das Heimat! Und jetzt gelangen die Gedanken über das Gebilde Kultur zum vollen Bewusstsein: Wenn der Gedanke angenommen wird, dass kulturelle Unterschiede nur solange herrschen, wie man auf ihren Grenzen beharrt, dann kann man zu folgender Erkenntnis gelangen: Kulturen sind wie Farben auf einem Gemälde. Jeder Farbton ist wichtig für das Gesamtkunstwerk. Die Grenzen zwischen den Farben sind nur insofern wichtig, dass jede Farbe zur Geltung kommen kann. Nicht um eine Farbe als etwas Großartigeres werten zu wollen, sondern, um alle Farben gleichwertig anzuerkennen. Und die Vermischung zuzulassen, damit neue Farbtöne das Gemälde bereichern können.

Doch genug von Metaphern. Es gibt Kaffee und Kuchen, auf denen 5 Candelas tanzen – 5 Jahre Los Patojos! Ein Grund zum Zelebrieren!Geburtstag feiern bedeudet hier, die bereits vorhandene Lebensernergie mal eben zu verdreifachen. Ein Tag voller Musik, Spielen, Wettbewerben, Laolawellen und vor allem eins – Freude, aus dem Nichts, etwas so Wertvolles geschaffen zu haben. Und dieses Wertvolle wird uns an diesem Tag sehr deutlich. Selbst die jüngsten Kinder genieren sich nicht, alleine oder in einer kleinen Gruppe auf einer Bühne zu stehen und vor allen Anderen zu tanzen oder zu singen. Seien es Liebeslieder, sei es Breakdance oder Michael Jackson-Tanzschritte. Die “Patojos” können sich hier frei entfalten, sie können ihrem Geist Ausdruck verleihen und sie haben den Mut dazu, diese Chance zu nutzen. Wertvoll auch deswegen, da selbst an einem solchem Feiertag, die älteren Jugendlichen abends zusammen sitzen, um gemeinsam mit den “Profes” über Themen wie Liebe, Beziehungen, Eltern und Gewalt zu diskutieren. Ein ausgewogener Tag also, zwischen Spaß, Party und Ernsthaftigkeit. “Salud” auf Los Patojos und auf die nächsten Jahre! Lasst uns weiterhin gemeinsam träumen und Ideen in Aktionen umwandeln.