Mit unseren Spenden, der Vermittlung von Freiwilligen und durch den Austausch von Ideen, Wissen und Erfahrungen, unterstützen wir das Jugendprojekt der guatemaltekischen NGO “Los Patojos” in Jocotenango, Sacatepuequéz. Dieses Projekt wurde geschaffen für diejenigen Jugendlichen, die aus dem Schulprojekt Los Patojos „herausgewachsen“ sind. Das Jugendprojekt bietet Raum für freies und alternatives Lernen, für das Erforschen und Ausbauen der eigenen Fähigkeiten, für das Üben von kritischem Denken und Diskussionsformen, und für die Entwicklung von eigenen Zukunftsvisionen, für sich selber, die Gemeinde und Guatemala.
Im Jugendzentrum lernen und ERleben ca. 50 Jugendliche gemeinsam mit 3 Lernbegleitern, die Workshops und Unterrichtseinheiten organisieren und Lern- und Planungsprozesse begleiten.
Warum wir gerade das Projekt unterstützen
Los Patojos wurde in der Gemeinde Jocotenango gegründet, einem städtischen Ort im zentral gelegenen Gebiet Sacatepequéz. Jocotenango grenzt direkt an Antigua, die einstige koloniale Hauptstadt und heutiges Touristenzentrum Guatemalas. Jocotenango liegt ebenfalls auf der Route, die das Land gen Mexiko durchquert und ist damit Durchgangsort für den Drogentransfer Richtung Norden.
In Jocotenango leben ca. 40.000 Menschen, viele davon in Slums, welche in den Bergen, die den Ort umgeben, errichtet wurden. Es ist kein touristisch erschlossener Ort, wohl auch deshalb ist die Infrastruktur nicht vollständig ausgebaut. Die Stadt zählt aufgrund seiner großen Bandenkriminalität und der stattfindenden Drogengeschäfte als zona roja in Guatemala. Einige der Kinder, die das Programm „Los Patojos“ besuchen, haben ihre Väter durch Bandenkriege verloren, einige Jugendliche haben selber Banden- und Drogenerfahrungen, einzelne Mädchen wurden selber Opfer sexueller Gewalt.
Es ist ein Ort, der Kindern und Jugendlichen nicht viel Hoffnung gibt. Gleichzeitig werden sie durch den touristischen Ansturm in der angrenzenden Stadt Antigua, ständig mit Reichtum und anderen Lebensformen konfrontiert. Bildung (vor allem weiterführende) ist schwer und meist nur kostenintensiv zugänglich und Werte wie kritisches Denken und selbstbewusstes Auftreten werden in den öffentlichen Grundschulen übergangen.
„Los Patojos“ ist ein Ort, an dem Kindern und Jugendlichen nicht nur Bildungsmöglichkeiten angeboten werden, sondern auch Freundschaft, Hoffnung und Zuneigung. Im Jugendprojekt soll den Jugendlichen neue Hoffnung gegebenen werden und das Wissen, dass sie selber ihre Zukunft positiv verändern können, und dazu beitragen können diese Gesellschaft zu verbessern. Kritische Auseinandersetzungen mit aktuellen gesellschaftlichen Themen, sind dort genauso wichtig wie die Förderung persönlicher Talente zur Steigerung des Selbstvertrauens und der Selbstwirksamkeit.
Wir denken, dass es sehr wichtig ist, Orte und Räume für Jugendliche zu schaffen, in denen sie Alternativen zu den Dingen und Gefahren, die auf der Straße warten, finden können. Zudem ist es von Bedeutung die Motivation und den Aktivismus Jugendlicher für die positive Veränderung ihrer eigenen, persönlichen Lebenswelt, zu wecken. Sie sind die Zukunft der Gesellschaft und des Landes, sie sind der Wandel. Wir glauben, dass Veränderungen möglich sind, auch in einer Gesellschaft, die in einem scheinbar unveränderlichen Kreislauf von Korruption und Gewalt steckt. Und wir denken, dass das Los Patojos-Team mit ihrem Jugendprojekt einen guten Weg einschlägt!
Für uns ist es sehr wichtig, dass der Wunsch zur Veränderung aus dem Inneren der Gesellschaft kommt, und nicht, wie oft noch immer in der „Entwicklungshilfe“ Gang und Gebe, von außen diktiert wird. Los Patojos ist ein rein guatemaltekisches Projekt. Das unterstützen wir!
Über Los Patojos
Los Patojos ist eine gemeinnützige, eingeschriebene Organisation, die sich für die Verbesserung des Gemeinwohls in ihrer Gemeinde einsetzt. Los Patojos ist eine guatemaltekische NGO, die von jungen Guatemalteken gegründet wurde und geleitet wird. Vier fundamentale Elemente bilden die vier Pfeiler des Programms: Bildung, Ernährung, Gesundheit und bürgerliche Partizipation.
Das Programm Los Patojos besteht aus über 10 Projekten, zu denen u.a. ein Schulprojekt, ein Essensprojekt, ein kulturelles Zentrum, eine Sprachschule für Erwachsene und ein kleine Klinik zählen.
Durch Projekte, in denen die Kunst, das kritische Miteinander, das Spiel und der soziale Dialog die wichtigsten Ausdrucksmittel sind, konnten in den letzten vier Jahren mehr als 150 Kinder aufgenommen und integriert werden. Seit Anfang 2010 existiert außerdem ein Jugendprojekt mit mehr als 50 TeilnehmerInnen, die täglich neue Geschichte schreiben. Ein junges, progressives und pädagogisch alternatives Team, unterstützt von einheimischen Professionellen und Freiwilligen aus aller Welt, realisiert die Projekte.
Geschichte und Entwicklung
Das Programm “Los Patojos” wurde Ende 2006 gegründet und hat sich während der vergangenen vier Jahre stets weiter entwickelt: zu einem kulturellen Zentrum, einer Schulküche, einem medizinischen Versorgungszentrum, einem Arbeitsraum mit Computern und Internet, in einen musischen und künstlerischen Ort, in einen Raum des Vertrauens und der Freundschaft.
Das Programm wird geleitet und koordiniert von einem guatemaltekischen Team, das in einem langen Veränderungsprozess eine modellhafte und innovative Struktur aufbauen konnte, nach dem Grundgedanken „Lokal handeln, global denken“. Das Programmteam will den Mythos untergraben, dass in Guatemala, ihrem Land, niemand irgendetwas macht, weist rückschrittliche Haltungen zurück und verteidigt die Notwendigkeit von Veränderungen. „Wir schauen nach vorn und bauen auf!“, sagen sie und beschreiben sich selbst: „Wir sind junge Guatemalteken mit sozialen und pädagogischen Visionen und klaren Zielen: Die Lebensqualität in unserem Heimatland verbessern, die soziale Gerechtigkeit durch sachliche Auseinandersetzungen zu erreichen und Räume zu schaffen für Bildung und soziale Integration. Wir sind ein Team, das eine friedliche Kultur konstruieren will und präventive Maßnahmen durchführt, um auf lange Sicht die Realisierung eines friedlichen und gerechten Zusammenlebens mit den Kindern, den Jugendliche und deren Familien voranzutreiben.“
- SchülerInnen von Los Patojos beim Erledigen der Hausaufgaben

- 2009 halfen wir die Frauenkooperative zu gründen und aufzubauen. Mütter von Los Patojos SchülerInnen organisieren sich gemeinsam, und stellen aus recyceltem Papier Bücher und Hefte her. Durch unsere Starthilfefinanzierung konnte das notwendige Material und Werkzeug beschafft werden. Die Kooperative ist für die partizipierenden Frauen ein Weg in die finanzielle und soziale Unabhängigkeit.










